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Dorfchronik Reichsheim

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Eines der ersten deutschen Kolonistendörfer in Galizien - zur Dorfchronik der ersten Ansiedlungsjahre 1782 - 1784


In bekannten Veröffentlichungen über die Josefinischen Ansiedlungen in Galizien 1782-1785 ist bereits zu lesen, daß Reichsheim zu den ersten Neuansiedlungen dieser Zeit gehört. Es war eines der 13 neugegründeten Dörfer der Kameral- Herrschaft Sendomir im Weichsel-San-Dreieck. 1784 wurde es Sitz der evangelischen Pfarrstelle, die auch die Orte Hohenbach und Padew betreute.

Das Ansiedlungsgeschäft wurde von den Ökonomien geleitet. Die Kameralschafts-Ökonomie Sendomir wurde von Nisko aus von dem Direktor Hladky geleitet, der der Domänen- und Salinen-Administration in Lemberg (Leiter Franz Mikulitsch) unterstellt war. Mikulitsch seinerseits war dem Landes-Gubernium unterstellt (geführt von Graf Brigido). In strittigen Fällen wurde das Kreisamt in Rzeszow eingeschaltet. Kreishauptmann von Riedheim berichtete dann direkt an Graf Brigido. Das Landes-Gubernium führte die Kontakte mit der Hofkanzlei und dem Kaiser in Wien.

Der Direktor Hladky ist als Verfasser des sogenannten "Sendomirer Patentes" vom 6.2.1782 bekannt (1), welches zusätzlich zum Kaiserlichen Ansiedlungs-Patent von 1781 zur Anwerbung von 300 Familien für die Sendomirer Kameral-Herrschaft dienen sollte. Von Frankfurt aus betrieb der dorthin abgesandte Johann Lem im Auftrag von Hladky diese Anwerbung. Lem konnte in kurzer Zeit dem K.K. Residenten Röthlein die 300 Familien zur Weiterleitung nach Wien melden. Aufgrund dieser beiden Lockrufe setzte nun schlagartig der Strom der Umsiedlungswilligen nach Sendomir und bald darauf ganz Galizien ein (2). Man hatte jetzt auch ein konkreteres Ziel - Sendomir.
Ankunft in Wien und Probleme der Weiterreise

In der ersten Wiener Consignationsliste vom 25. Juni 1782 wird eine Gruppe von 9 Familien (45 Seelen) registriert (3), deren Namen (Georg Louis, Peter Gauger, Michael Kurz, Ludwig Kraule, Christian Schweitzer, Johann Schöpfer, Andreas Hofstädter, Philipp Klug und Gabriel Klepsch) fast vollständig bei "Ludwig Schneider" (4) in der ersten Ansiedlungsliste von Reichsheim von 1783 enthalten sind. Es sind vorwiegend Familien aus Schwetzingen. Der Familienname Kurz war 1942 noch zahlreich vorhanden. Die Familien Schweitzer waren auch noch viele Jahre in Reichsheim ansässig. Die anderen Familien sind nach dem nicht sehr erfolgreichen Start wohl bald weitergezogen. Die Namenslisten bei "Ludwig Schneider" der Ansiedler in Reichsheim und anderer Kolonistendörfer von 1788 erlauben diese Annahme.

Zunächst fällt diese erste Gruppe in Wien durch ein Bittgesuch an Seine Majestät auf. Seine Majestät wird ersucht, einen Militär-Landvorspann für den langen beschwerlichen Weg abzustellen. Eine Note der Hofkanzlei zu dieser Bitte sagt nicht eindeutig aus, ob der Bitte stattgegeben wurde. Hierzu aber einige Passagen des Bittgesuches und der Note: "Unterzeichnete bitten, daß ihnen zu der vorgesehenen Ansiedlung von Wien bis nach Sendomir ein Militär Land Vorspann zur Fortbringung ihrer kleinen Kinder und sonstigen mitgeführten Gerätschaften angewiesen werden möge, nachdem sie nicht imstande wären, diese so weite Reise fortzusetzen, außer sie müßten alle ihre mitgeführten Habseligkeiten verkaufen und sodann ganz entblößt die ihnen angewiesenen Plätze antreten". Die Hofnote vom 18. Juli 1782 endet mit dem Hinweis, "daß die von seiner Majestät vorgeschriebene Marschroute wörtlichen Inhalts alsogleich befolget, und in Gewißheit desselben die betreffenden Landesstellen gleichfalls angewiesen worden seien". Also haben eventuell die an der Wegstrecke liegenden Landesstellen Hilfestellungen geleistet.

Vorbereitungen und Pläne für die Kolonisten in der Sendomirer Ökonomie

Was erwartet die Ansiedler in der Kameralschaft Sendomir? Welche Vorbereitungen, welche Pläne existieren? Auch dieses ist in einer Akte festgehalten (5). Die Akte enthält ein Schreiben des Grafen Brigido vom 9. Juni 1782 an den Kaiser zum Start der Ansiedlung in der Sendomirer Kameralschaft. Beigegeben jeweils als Anlage sind die entsprechenden Stellungnahmen der Herren Hladky und Mikulitsch. Graf Brigido muß dem Kaiser berichten, daß er von den Aktivitäten Hladkys bisher nichts wußte, obwohl die ersten Ansiedler schon unterwegs waren. Graf Brigido und Mikulitsch bleibt aber, aufgrund des sehr positiven Echos des "Sendomirer Patentes", nur wenig Zeit und kaum Ansatzpunkte zur Kritik an dem konspirativen Verhalten Hladkys, der "bloß aus Eifer für die Beförderung des Dienstes zu voreilig war". Beide anerkennen, daß Hladky und der Lem es mit geringstem Aufwand geschafft hätten, die gewünschten Ansiedler für Galizien zu gewinnen. Beide sprechen sich dafür aus, daß dem Lem bei erfolgreichem Abschluß dieser Mission eine entsprechende Belohnung gewährt werden sollte und "für die vom Lem angeworbenen Kolonisten zur besseren Aufmunterung für das Vorhaben ein mäßiges Reisegeld bereitgestellt werden solle". Danach berichtet Graf Brigido recht ausführlich, wie die Ansiedlung in der Kameralschaft Sendomir geplant sei. Schon vorher gab es hier einen Plan zur Trockenlegung weitläufiger Moräste der Ökonomie und der Starostei. Dieser Plan sollte nun mit Hilfe der neuen Ansiedler realisiert werden. Zu diesem Zweck "sollte alsbald ein Ingenieur abgeordnet werden, der den Hauptwassergraben abzustecken habe, welchen Graben die ankommenden Kolonisten selbst auszuwerfen und zu verfestigen hätten, nach dessen Zustandebringung denselben die Grundstücke ordentlich auszumessen, inzwischen aber die Werkzeuge zum Graben beizuschaffen. Den Kolonisten, bis sie ihr Getreide selbst anbauen, etwas Getreide zum Brot und zum Anbau aber gegen Rückersatz zu verabfolgen sei".

Graf Brigido schildert dem Kaiser auch das Problem mit der Starostei Sendomir, deren derzeitiger Nutznießer ein Herr Ossolinski ist. Dieser Ossolinski zeigt kein Interesse, bei dem Projekt der Austrocknung mitzuziehen. Die Moräste erstrecken sich über beide Gebiete. Die Ableitung der Moräste müßte über das Gebiet der Starostei erfolgen und somit von dieser geduldet werden. Deshalb plädiert Graf Brigido unter Anführung mehrerer Paragraphen für eine Einziehung der Starostei bei üblicher Entschädigung im Interesse des Allgemeinwohls. Im Hofdekret vom 12. Juli 1782 (6) wird zwar das Vorhaben der Austrocknung der Moräste gutgeheißen, einer Einziehung der Starostei Sendomir aber nicht zugestimmt, da wenig hinreichender Grund vorliegt. Der Kaiser rät zur Zusammenarbeit bei diesem Projekt, "im widrigen man aber die überflüssigen Kolonisten anderswo zu unterbringen trachten solle".

Die anfangs genannte Gruppe von 9 Familien ist dann wohl mit weiteren Ansiedlern in Sendomir gelandet. Zumindest ein Teil dieser Ansiedler war in Tuszow untergebracht. Dieses bezeugt ein erhaltener Brief des Andreas Martin an seine Angehörigen in der Pfalz vom 13. Jan. 1783 (7). Er ist guten oder noch guten Mutes und rät Verwandten, ihm nachzufolgen. Er berichtet auch, daß er sein "Sach bekommen, wie es versprochen wurde".



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