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Im Ringen um das pfälzisch-deutsche Volkstum stand die Schule in vorderster Linie. Vom Anfang an war sie ein Bestandteil der evangelischen Kirchengemeinde. Der Lehrer war meist Vertreter des Pfarrers, die Kirche trug die Sorge um die Erhaltung der Schule mit. Die Hohenbacher konnten deutsche Gottesdienste mit deutschen Predigten besuchen, sie konnten sich also auch in kirchlichen Belangen als Gemeinschaft abschirmen. Es war eine spezielle Aufgabe der Schule in Hohenbach wie freilich jeder Schule in volksdeutschen Gebieten, die jungen Menschen dahin zu erziehen, daß sie das Erbe der Vorfahren übernehmen, verwalten und vermehren konnten.
Unter den Hohenbacher Ansiedlern befand sich ein Lehrer. Es war dies Heinrich Grub, der mit 8 Personen aus Hohensülzen, Kreis Worms einwanderte. Er war Bauer, dürfte jedoch auch als Lehrer gewirkt haben. Freilich ist das Bestehen einer Schule erst ab 1796 nachgewiesen. Pfarrer Dr.Rudolf Kesselring schreibt in seinem Buche "Die evangelischen Siedlungen Galiziens im josephinischen bis französischen Zeitalter", das 1912 in Lemberg erschienen ist, daß im Jahre 1796 25 Knaben und 21 Mädchen die Schule in Hohenbach besucht hätten. Die ältesten Schulakten, die es bis 1944 gab, stammten erst aus dem Jahre 1878. So konnte man über das Wirken des Schulmeisters Heinrich Grub nichts Näheres erfahren. Sein Nachfolger war Jakob Kirner, der 1791 geboren wurde. Er konnte sein Amt erst nach 1810 angetreten haben. Über ihn schreibt Ludwig Schneider: "Obwohl er keine akademische Bildung besaß und nur an den theologischen Schulen seiner Heimat die Ausbildung zum Predigeramt genossen hatte, wurde er vom Su-perintendenten Stockmann zum Pastor in Neu-Galow befördert und am 26.12.1835 nach Bri-gidau berufen. Als Senior Simon in Dornfeld starb, wurde Kirner sein Nachfolger im Senio-rate des mittleren Traktes" '. Diese Laufbahn zeigt, wie strebsam Lehrer Kirner gewesen sein mußte’. Aber über seine Tätigkeit in Hohenbach war nichts Näheres zu finden. Kirners Nachfolger war Samuel Krauß, geb. am 10.2.1804 in Käsmark, wo er auch das Lyzeum besuchte. Er ging 1836 nach Fratautz in die Bukowina, und an seine Stelle kam nach Hohen-bach Samuel Purr, der am 2. Juli 1836 hier angestellt ivurde. Vorher war er Lehrer in For-berg in der Zips gewesen. Sein Grab befand sich im deutschen Friedhof in Hohenbach, die verwitterte Inschrift des Grabsteines war freilich unleserlich geworden. Nach Samuel Purr folgten Heinrich Hessler, Adolf Stiasny, Wenzel Petraschek (1874) und von 1880 -1903 Andreas Fuchs aus Kurzwald. Das Schulgebäude befand sich am Anfang des 19. Jahrhunderts schräg gegenüber der Kirche. Es war ein Kolonistenhaus wie jedes andere, aus Holz errichtet und mit Stroh gedeckt. Die Räume an der Straßenseite bildeten die Wohnung der Lehrerfamilie, die Zimmer rechts vom Eingang, dem Hofe zu waren zu einem großen Klassenraum vereinigt. Das Inventar war recht bescheiden, Hefte und Bücher, Wandbilder und andere Lehrmittel ließ der Lehrer aus Deutschland kommen. Eine schöne, hellklingende Glocke, die aus einem Kloster von Tarnow stammte, läutete um 5, 8, 11, 13 und 17 Uhr. Das Gebäude der Ortskanzlei, das bis 1944 bestand, war mit dem Holz der alten Schule gebaut; Die Arbeit des Lehrers warschwer, hatte er doch über 90, zeitweise sogar mehr als 100 Kinder allein zu betreuen. Es wurde vormittags von 8-12 Uhr und nachmittags von 13-16 Uhr Schule gehalten. Die Lebensverhältnisse des Lehrers waren damals noch im allgemeinen günstig. Er hatte ein Feld, das die Gemeinde bestellte und erhielt auch ein Bargehalt. Von den Mitbürgern wurde er geschätzt und geachtet. Er wurde oft besonders geehrt, und man sorgte in rührender Weise für sein Wohl. Schule und evangelische Gemeinde bildeten eine Einheit. Eine große Hilfe war die unentgeltliche Beistellung des Baumaterials aus den Wäldern der staatlichen Kameral-herrschaft Tuszow für Schule, Kirche und Pfarrhaus. Allerdings wurde dieses Deputatsrecht immer mehr eingeschränkt. 18901ieß Pfarrer K.J. Zipser mit dem Bau eines neuen Schulhauses beginnen, das 1892 fertiggestellt und am 25.10.1890 seiner Bestimmung feierlich über-geben wurde. Die Kosten für den Bau des Schulhauses betrugen 4 339,89fl, die noch aus der Kirchenkasse genommen werden konnten. Mit Erlaß vom 12.3.1893 erhielt die evangelische Schule von Hohenbach vom k.u.k. Ministerium für Kultus und Unterricht das Öffent-lichkeitsrecht zuerkannt, und am 8.12.1907 beschloß die Gemeindeversammlung, die Schule zu erweitern. Es wurde ein Stockwerk aufgebaut, welches einer zweiten Klasse, einer zweiten Wohnung und einem Theatersaal Raum gab. Das sind die beachtenswerten Leistungen eines Mannes, der 40 Jahre seines Lebens der Gemeinde Hohenbach widmete. Am 23.4.1916 ist K.J. Zipser in Neu-Sandez gestorben. Walter Kuhn schreibt, daß Hohenbach durch die gute Schule führend am Aufbau der Intelligenz in Galizien gewesen sei, daß Ho-henbach an der Spitze der Bildung unter den deutschen Siedlungen Galiziens stehe. (W.Kunz: Die deutschen Kolonien im Bezirke Mielec in Westgalizien/Deutsche Blätter in Polen,7/4). Und weiter: Die deutschen Kolonien wurden zu Stützpunkten der neuen Schulor-ganisation. In Hohenbach wurde schon damals tatsächlich viel für Bildung getan. So hielt der Lehrer eine "Sonntagsschule" ab, in der Schulentlassene ihr Wissen vertiefen konnten. Viele Jugendliche besuchten in Dornfeld Volkshochschulkurse. 1903 kam Heinrich Hartmann als Lehrer nach Hohenbach. 1904folgte Johann Roland. Er hat für Schule und Gemeinde viel getan. Auf seine Arbeitsfreude gingen sogar die ersten Lichtbilder Hohenbachs zurück, und er hat erstmalig die Geschichte Hohenbachs in einem Artikel niedergeschrieben. Dieser Aufsatz wurde 1909 im Jahrbuch des "Bundes Christlicher Deutscher in Galizien" veröffentlicht. Er ist immer wieder zu Arbeiten über die Geschichte Hohenbachs herangezogen worden. Lehrer Roland ließ die ersten Ansichtskarten des Dorfes drucken. Nur zweimal noch gab es den Druck von Ansichtskarten, 1926 und 1942 (durch Lehrer Leop. Wech). Roland durfte sich über die Erweiterung seiner Schule freuen. Nun wurden zwei Klassen in vier Abteilungen geführt. A 1. Abtg.: Schulanfänger, 2. Abtg.: 2. und 3. Schuljahr, 3. Abtg.: 4. und 5. Schuljahr, 4. Abtg.: 6. und 8. Schuljahr. Im Jahre 1909 traten zwei Lehrer den Dienst an, Jakob Kintzi und Jakob Rudolf. Kintzi, der bis 1911 an der Hohenbacher Schule unterrichtete, wurde als ein sehr tüchtiger und strenger Lehrer geschildert. Sein Grab liegt auf dem Wiener Zentralfriedhof. Jakob Rudolf war bis 1913 Lehrer an der Schule in Hohenbach, 1911 wurde er zum Leiter bestellt und 1911 kam Jakob Köhle nach Hohenbach. Über Lehrer Rudolf ist nachzutragen, daß er 1913 einrückte und in den schweren Kämpfen um Gorlice 1916 fiel. Jakob Köhle, geb. 1889, war ein begabter Musiker. Er gründete die Dorfkapelle und führte selbst die Ausbildung auf allen Instrumenten. Dreimal wöchentlich hielt er mit der Dorfjugend Gesangstunden ab, bei denen hauptsächlich geistliche Lieder, freilich auch Volkslieder, gesungen wurden. 1914 besetzten Russen das Dorf, der Unterricht fiel länger aus. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß die Leiter und Lehrer der Schule sorgfältig eine Schul-chronik führten, in der sich auch die Geschichte des Dorfes widerspiegelte. Von Auswanderung nach Amerika ist ebenso die Rede wie von verheerenden Bränden und den Volkszäh-lungen. In den Jahren nach dem Ersten Weltkriege verschlimmerte sich die Lebenslage des Lehrers und artete nach 1930 geradezu in einen Existenzkampf aus. Schlechte wirtschaftliche Situationen waren dafür gleichermaßen schuld wie auch ein aufkeimender Volkstumskampf, der sich auf die Schule konzentrierte. Gelegentlich kam es auch zu Auseinandersetzungen zwischen Pfarrer und Lehrer, was vermutlich auf die wachsende allgemeine Nervosität zurückzuführen war. Wir lesen an einer Stelle der Schulchronik, der Lehrer müsse sich den Launen des Pfarrers und des Dorfschulzen beugen, und auch die Gemeinde käme in manchen Fällen ihren Verpflichtungen nicht voll und nicht pünktlich nach. 1915-1917 wirkte Lehrerin Elfriede Hellinger und 1916-1917 leitete Franz Schott die Schule. 1917 kam die Schulschwester Adele Meckling nach Hohenbach, blieb aber nur ein Jahr. Nun übernahm ein Hohenbacher die Schule, Lehrer Heinrich Stallmann. Von jetzt an ist die Schule bis 1940 wieder einklassig. Lehrer Heinrich Stallmann wurde am 14.1.1893 in Hohenbach geboren, besuchte hier die Volksschule und ging dann nach Bielitz, wo er das Lehrerseminar absolvierte. 1913 wurde er in Lemberg angestellt, mußte zu Beginn des Ersten Weltkrieges einrücken und geriet in zweijährige russische Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr wurde er mit der Leitung der Schule betraut. Er war ein ungemein fleißiger Lehrer, der von den Hohenbachern in bestem Angedenken gehalten wurde. Mit großer Hingabe widmete er sich der Weiterführung der Schulchronik und der Geschichte Hohenbachs. Er fuhr in die Heimat der Ansiedler und betrieb Forschungen über die ersten Hohenbacher sowie über Fragen der pfälzischen Mundart. Er hat viel publiziert und damit wichtige Tatsachen der Entwicklung Hohenbachs, aber auch des galizischen Deutschtums überhaupt festgehalten. Ehemalige Schüler Stallmanns erinnerten sich gerne an interessante und überaus lehrreiche Schulstunden. Heinrich Stallmann führte neben seiner Lehrtätigkeit eine Muster-wirtschaft, die ihm und seiner Familie trotz der damaligen Notlage einen gewissen Wohlstand ermöglichte. Bis 1928 blieb er im Dorf. Dann übersiedelte er nach Diamantenheim in Ostgalizien, später nach Weinbergen, schließlich nach Radlau bei Ostrowo. Nach seiner Pensionierung lebte er mit seiner Familie in Zittau, wo er am 21.2.1983 in hohem Alter starb. Im Mai-Heft des "Heiligen Bandes" erschien ein Nachruf. Für kurze Zeit folgten Lehrer Lutz und Joh. Hennig, der bald einrücken mußte und die Lehrstelle an Karl Rehbein 1927 übergab. Karl Rehbein wurde am 4.6.1907 in Siwka Kalus-ka bei Ugarthstal geboren. Dort besuchte er die Volksschule und maturierte 1917 in Bielitz. Seine erste Schulstelle war Hohenbach, später ging er nach Bredtheim und Gassendorf. Zuletzt war er in Rajcza bei Saybusch/OS Lehrer, von wo er zur deutschen Wehrmacht einrückte. Auch er wird als tüchtiger Lehrer gelobt. Damals haben Krankheitsepidemien den Unterricht oft gestört. Vom 12.1. bis 2.2.1920 war es Scharlach, vom 25.5.-30.5.1920 Masern (28 % der Kinder waren krank), am 11.1.1921 brach neuerlich Scharlach aus, vom 27.5. bis 30.5.1937 mußte die Schule wegen mehrerer Diphteriefälle geschlossen bleiben. Sehr störend wirkte sich auch der häufige Lehrerwechsel aus, der für ein Schlechterwer-den der Lebensbedingungen Zeugnis gibt. 1929/30 wirkte Lehrer Gustav Rilling und nach ihm kam der Hohenbacher Edmund Zimmermann als Lehrer an die Schule. Er wurde am 13.2.1898 in Hohenbach geboren, besuchte das Lehrerseminar in Bielitz und wurde nach Ablegung einer Kriegsmatura zum Militär einberufen. Er kämpfte an der russischen, an der rumänischen und an der italienischen Front. Seine erste Lehrerstelle war Hohenbach, er übersiedelte jedoch bald nach Pommerellen, dann an die Rosegger-Schule in Mariahilf in Ostgalizien. Nun kam er wieder nach Hohenbach zurück, wurde allerdings nach zwei Jahren schwer krank und mußte seine Unterrichtstätigkeit aufgeben. Als tüchtiger, strenger Lehrer mit ansehnlichem Wissen blieb er in Hohenbach lange geehrt. Bis zum Eintreffen eines anderen Lehrers sprang Johann Saipp für zwei Monate ein. Auch er war Hohenbacher (hier am 11. 11. 1911 geboren), – er maturierte in Bielitz, wirkte in Posen, – in Wolhynien, dann in Frankenheim, Krs. Graudenz, wo er Schulleiter einer mehrklassigen Schule war. Als letzte Nachricht von ihm kam die Mitteilung, daß er als Oberleutnant in der deutschen Infanterie diente. 1930 wurde die Schule in den Sommerferien gründlich renoviert. Am 1.9.1932 wurde Lehrer Johann Mickler durch das Presbyterium angestellt. Er wurde am 26.4.1909 in Alexan-derfeld geboren, er maturierte 1932 in Bielitz. Interessant ist zweifellos die Anstellungsur-kunde, die wir in diesem Falle vollinhaltlich wiedergeben können: Presbyterium der evangelischen Gemeinde Hohenbach, 2.655/1.9.1932 VOKATION Das Presbyterium der evangelischen Kirchen- und Schulgemeinde, augsburg. Bekenntnis, in Czermin-kolonia-Hohenbach hat in der am 25.8.1932 einstimmig durchgeführten Wahl Herrn Lehrer Johann Mickler, geb. am 26.4.1909 in Alexanderfeld bei Bielitz, maturiert 1932 an der Lehrerbildungsanstalt in Bielitz, zum provisorischen Leiter der evangel. Schule in Czermin kolonia für das Schuljahr 1932/33 gewählt und übergibt ihm hiermit folgende Vokation: A) Herr Schulleiter Mickler ist verpflichtet: I) Zur Leitung der evangel. Schule in Czermin kol.-Hohenbach und zur Erteilung des Unterrichtes nach den bestehenden staatl. Gesetzen, sowie kirchlichen Gesetzen und Verordnungen. II) 1) Zur Abhaltung der Lesegottesdienste und des Religionsunterrichtes in Abwesenheit oder Erkrankung des Pfarrers, zur Ausübung des Orgelspiels, zur Leitung des Kirchenchores, zur Erteilung sonstiger Funktionen (Taufen und Begräbnisse) in Vertretung und Abwesenheit des Pfarrers; 2) Zur Abhaltung von Fortbildungskursen für die schulentlassene Jugend im Einvernehmen mit dem Presbyterium und zur Mithilfe bei Aufführungen, Veranstaltungen etc.; III) Zum Beitritt in die Pensionsanstalt der evangel. Kirche A.u.H.B. in Polen, zur pünktlichen Erledigung der auf ihn entfallenden Einzahlungen; im Falle Nichtbestehens genannter kirchlicher Pensionsanstalt- zum Beitritt zur staatl. Pensionsanstalt für geistige Arbeiter. B) Die evangel. Kirchen- und Schulgemeinde übernimmt Herrn Lehrer Johann Mickler gegenüber folgende Verpflichtungen: 1) Sie gibt ihm ein monatliches Bargehalt von 150 Zl. 2) liefert ihm für das ganze Schuljahr 1932/334 Klafter Scheiterbrennholz, davon 2 Klafter zerkleinert und 2 t Kohle mit Zufuhr. Dieses Brennmaterial dient ebenfalls zur Beheizung des Klassenzimmers. 3) übergibt ihm zum Gebrauche die Lehrerwohnung im Erdgeschoß des Schulgebäu- des ( 2 Zimmer, Küche, Keller, Kammer); 4) übergibt ihm den Schulgarten zur Benutzung und ersetzt ihm die Reisespesen von Alexanderfeld nach Hohenbach, 5) verpflichtet sich zur Erledigung der entsprechenden Einzahlungen in die Pensions- anstalt der evangel. Kirche, bezw. in die staatliche Pensionsanstalt für geistige Arbei- ter. 6) Die Funktionsgebühren betragen: a) Taufe mit Pfarrer 3 Zl b) Taufe ohne Pfarrer 5 Zl c) Konfirmation 5 Zl d) Trauung 5 Zl e) Begräbnis mit Pfarrer 5 Zl f) Begräbnis ohne Pfarrer 10 Zl g) Begräbnis eines Kindes mit Pfarrer 3 Zl h) Begräbnis eines Kindes ohne Pfarrer 5 Zl Czermin kol., Hohenbach, am 1.9.1932 gez.: Edmd.Rudolf,Kurator .d. Presbyteriun: gez.: Heinr.Stallmann gez.:Gesell Leop.,Pfarrer Siegel Erkläre mich mit den Bestinmungen obiger Vokation für einverstanden! gez.: Mickler Johann,Lehrer 2.242 Gesehen! Siegel Das westliche Seniorrat A.B. Neu-Sandez gez.: R. Walloschke Neu-Sandez, am 20.9.1932 Lehrer Johann Mickler führte die Kinder nach bestem Wissen und Gewissen, er hielt Singstunden ab und wußte mit seinem Chor geschickt zu arbeiten, war er doch selbst ein guter Sänger, er leitete die Laienspiele, er vertrat den Pfarrer, er hielt sein Schulfeld in sehr gutem Zustand, er sorgte auch sonst für die Gemeinde. Dennoch wurde schon im Jahre 1936 gegen ihn Stimmung gemacht. Man wollte ihm das Bargehalt kürzen und es gab manche Zwistigkeiten. Möglicherweise hatte dies seinen Grund zum Teil in der Tatsache, daß er seine zukünftige Frau unter den Mädchen von Hohenbach suchte und dadurch der Anschein entstand, er wäre zur Dorfgemeinde einseitig eingestellt. Jedenfalls erhob sich erst recht nach seiner Verehelichung mit Gertrude Krieg ein richtiges Kesseltreiben, so daß er 1937 kündigte und nach Posen übersiedelte. Im Zweiten Weltkrieg war er Soldat an der Ostfront. Nach Herrn Mickler war lange kein Lehrer für Hohenbach zu finden. Lehrer Johann Kling, der sich nach Hohenbach gemeldet hatte, zog seinen Antrag zurück und ließ sich in Reichsheim nieder. Zu Beginn des Schuljahres 1937 konnte die Absolventin des Pädagogiums in Krakau, Frl. Elisabeth Meisenhelder aus Jaroslau angestellt werden. Nach kaum einem Jahr verließ auch sie Hohenbach und zog nach Biala. Erst 1938 wurde ein Nachfolger, nämlich Lehrer Wilhelm Görz aus Ugarthstal gefunden und angestellt. Noch 1938 wurde der staatliche Druck auf die evangelische Privatschule empfindlich verstärkt. Man wollte die Einrichtung einer Klasse für polnische Kinder erzwingen. Die Hohen-bacher wehrten sich mit allen Mitteln. Nun wurde die Schließung der Schule angedroht. Als Auftakt dazu wurde am 9.9.1938 der Schule das Öffentlichkeitsrecht entzogen. Das war ein harter Schlag! Dies hätte der Hohenbacher Jugend den Weg in eine gesicherte Zukunft versperren können. Die Jugendlichen hätten die Abschlußklasse in einer staatlichen Schule mit polnischer Unterrichtssprache besuchen müssen. Mit Gesuchen und Vorsprachen suchte man das Öffentlichkeitsrecht wieder zu erringen. Vergebens. Erst am 20.5.1939 gelang es Lehrer Görz, der Hohenbacher Schule das Öffentlichkeitsrecht zurückzubringen. Er war nicht nur deswegen, sondern vor allem wegen seiner hervorragenden Arbeit bei Eltern und Kindern sehr beliebt. Singstunden, Ansprachen und Feiern wußte er wirkungsvoll zu gestalten. Seine Predigten und Gottesdienste wurden allgemein gelobt. Den Tag des Einrückens der deutschen Wehrmacht in Hohenbach verbrachte er inmitten seiner Gemeinde. Es bestand ein starkes Gefühl der Verbundenheit zwischen ihm und den Hohenbachern. Auch seine außerschulischen Tätigkeiten wurden sehr begrüßt. Als am 12.4.1940 Theodor Krieg aus Hohenbach an der Schule seines Heimatdorfes angestellt wurde, war die Schule fortan wieder zweiklassig. Theodor Krieg wurde am 13.8.1903 geboren, er besuchte die Handelsschule in Bielitz und einen Schulhelferlehrgang in Gorlice. Er hat sich seit 1934 viel in der Jugendarbeit eingesetzt, er war sehr musikalisch, hielt Lie-derstunden ab und hielt Vorträge über die deutsche Geschichte. Am 1.9.1939 wurde Theodor Krieg verhaftet und im berüchtigten Konzentrationslager Beresa Kartuska interniert. Erst am 18.9.1939 erlangte er mit etwa 5.000 Mitgefangenen nach unbeschreiblichen Qua-len die Freiheit. Am 8.10.1939 kehrte er in sein Heimatdorf zurück. Im September 1940 wurde Theodor Krieg nach Schönanger versetzt, wo man dringend eine Lehrperson brauchte. An seine Stelle trat die Schulhelferin Anneliese Junk. Lehrer Wilhelm Görz verließ im November 1940 Hohenbach und übersiedelte in das Wartheland, was die Hohenbacher zutiefst bedauerten. Frl.Junk übernahm die Leitung und Lehrerin Paula Gesell, die Gattin des Pfarrers, half einen Monat lang aus. Nun übersiedelte auch die Mutter von Lehrerin Junk nach Hohenbach und übernahm die zweite Klasse. Anneliese Junk kam aus Hilden bei Düsseldorf, arbeitete zuerst im Kaufmannsberuf und wandte sich als Spätberufene dem Lehrberuf zu. Sie besuchte den Schulhelferlehrgang in Lauenburg. Nun traten tiefgreifende Änderun-gen im Schulbetrieb ein. Nach der Errichtung des Generalgouvernements wurde die evangelische Privatschule zur staatlichen Schule. Ende März 1942 gab es große Umsiedlungen im Bereiche der Gemeinden Reichsheim, Wildenthal, Steinau und Ranischau. Die Schülerzahl stieg auf 72. Das Schulhaus wurde zu klein und die Schule wurde daher in das größere, ehemals polnische Schulgebäude übersiedelt, das durch Umsiedlungen frei wurde. Das alte Schulgebäude wurde nun zum "Deutschen Haus". Nach gründlicher Renovierung des polnischen Schulhauses, die nahezu 10.000 Zl. verschlang, begann der Unterricht in diesem neuen Haus nach den Osterfeiertagen des Jahres 1942. Die Lage dieses Schulhauses war günstig, stand es doch von Hohenbach und Langenau gleichweit entfernt. Lehrer Theodor Krieg wurde wieder nach Hohenbach versetzt und mußte das Schuljahr alleine zu Ende führen, da Frl. Junk ihre Ausbildung in Deutschland vervollständigen wollte. Am 1.8.1942 trat Lehrer Leopold Wech seinen Dienst an. Er wurde am 15.11.1919 in Wien geboren, maturierte 1937, besuchte dann die Lehrerbildungsanstalt und wurde am 8.5.1939 in den Schuldienst eingestellt. Am 26.8.1940 wurde er mit dem ersten Kontingent in das Generalgouvernement abgeordnet. Nach einer Tätigkeit in der deutschen Volksschule in Krakau, wurde er mit der Errichtung einer Volksschule in Mielec und in Kressendorf beauftragt. Er suchte dann um Versetzung nach Hohenbach an und wurde mit der Leitung der Schule betraut, er übernahm die Klasse der 10- bis 14jährigen. Mit der Führung der ersten Klasse wurde die Schulhelferin Hermine Klier betraut. Sie wurde am 29.7.1921 in Schön-bach bei Eger (Sudetenland) geboren und absolvierte einen Schulhelferlehrgang in Gorlice. Ihre erste Schulstelle war in Przemysl. Lehrer Leopold Wech fand rasch einen guten Kontakt zur Elternschaft und verstand sich auch mit den Kindern bestens, obwohl es seine Zeit brauchte, bis auch er einigermaßen in pfälzischer Mundart sprechen konnte. Er hielt auch außerschulischen Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen. Um die Verbesserung der Einrichtung der Schule war er unablässig bemüht und es gelang ihm, durch Bittbriefe an Verlage und Lehrmittelhersteller wertvolle Unterrichtsmittel für die Schule zu erhalten. Eine Musikinstrumentenfirma sandte Blockflö-ten, und bald konnte man aus den Fenstern vieler Häuser die übenden Kinder Flöte spielen hören. Sowohl im Schulunterricht als auch in den Nachmittagsstunden wurde die Klassen-oberstufe zu einer Musikgruppe herangebildet (Blockflöten, Akkordeon, Xylophon u.a.), die bei Feierstunden gerne ihr Können zeigte. Lehrer Wech richtete eine reichhaltige Bücherei mit Buchspenden ein, die sich eines regen Zuspruchs erfreute. Volksliedsingen an Sonntagnachmittagen vereinigten etliche Jugendliche zu einer frohen Gemeinschaft. Stimmungsvolle Feststunden vor Weihnachten, zum Schulschluß, bei Tauf-feiern und anderen geselligen Veranstaltungen waren beliebt als kulturelle Bildungsangebo-te. Besonders eindrucksvoll war die Schulentlassungsfeier am 27.6.1943. Sie vereinte auch erstmalig die Hohenbacher und Langenauer Elternschaft. Einige Tage vorher pflanzten die Kinder in einer schlichten Schulfeier Bäume rund um den Schulplatz und setzten eine Eiche vor das Haus. Auf Antrag von Schulleiter Leopold Wech wurde die Schule durch den Erlaß des Gouverneurs des Distriktes Krakau, Abteilung Unterricht und Wissenschaft, vom 26.10.1943, 21.8284/43, in JOHANN KLING-SCHULE umbenannt, um den im Volkstums-kampf gefallenen Lehrer Johann Kling zu ehren. Oberlehrer Wech ließ anläßlich des 160jährigen Bestehens des Dorfes Hohenbach An-sichtspostkarten drucken: Blick in das Dorf, die deutsche Eiche, Friedhof, Kirche und Deutsches Haus (ehemalige Schule). Am 12.4.1944 wurde die Schule neuerlich zu einer dreiklassigen erweitert. Schulhelferin Elfriede Walter übernahm nun die erste Klasse. Sie wurde am 24.4.1925 in Bad Grund/Harz geboren, war dort Angestellte der Stadtverwaltung und besuchte einen Schulhelferlehrgang in Gorlice. Ihre erste Schulstelle war in Stryj. Die letzte Schulentlassungsfeier am 2. Juli 1944 war schon durch die dramatischen Kriegsereignisse in schwer gedrückter Stimmung. Und als Hohenbach, diese wunderschöne deutsche Insel, am 25. Juli 1944 geräumt wurde, war auch das blühende Leben der prächtigen Schule für immer vernichtet. Gemeindesiegel und Anblick von Hohenbach sind im Zeitweiser 1993 auf den Seiten 182 und 183 abgebildet.
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