Galizien header
01251909
Today300
Yesterday970
This week1270
This month5567
Main Menu
Login Form

Galizien code of arms
GermanEnglish



arrow Home Galicia Mennoniten Aus Montevideo: Galizische Mennoniten in Uruguay Tuesday, 06. January 2009  
Aus Montevideo: Galizische Mennoniten in Uruguay PDF Print E-mail
Written by Lucy Bachmann   
Saturday, 27 October 2007 10:17
Article Index
Aus Montevideo: Galizische Mennoniten in Uruguay
Page #
Page #
Page #
Page #
Page #
All Pages
Aus einem freundlichen Weihnachtsbrief: Wir wohnen seit 31 Jahren in der Landeshauptstadt Montevideo, wo mein Mann als technischer Leiter der größten hiesigen Kunststoff-Fabrik angestellt ist. Die überwiegende Zahl der galizischen Mennoniten lebt 26 km vom Stadtzentrum in der Siedlung Nicolich, während nur sieben, zu den Lembergern gehörende Familien in Montevideo leben. Viele sind jedoch zu jung, um sich an die alte Heimat erinnern zu können.
Weihnachten unterm Kreuz des Südens bei unseren galizischen Landsleuten in Montevideo
Aus einem freundlichen Weihnachtsbrief:

Wir wohnen seit 31 Jahren in der Landeshauptstadt Montevideo, wo mein Mann als technischer Leiter der größten hiesigen Kunststoff-Fabrik angestellt ist. Die überwiegende Zahl der galizischen Mennoniten lebt 26 km vom Stadtzentrum in der Siedlung Nicolich, während nur sieben, zu den Lembergern gehörende Familien in Montevideo leben. Viele sind jedoch zu jung, um sich an die alte Heimat erinnern zu können.

Natürlich könnte man annehmen, dass wir uns nach 31 Jahren in diesem Lande völlig akklimatisiert haben. Und doch können wir uns immer noch nicht daran gewöhnen, Weihnachten um die Zeit der Sommersonnenwende zu feiern. Wie sollte auch die rechte Stimmung aufkommen, wenn die Sonne um die Mittagszeit nur 12 Grad nördlich vom Zenit steht und die Badesaison in vollem Gange ist! Es mutet uns immer noch seltsam an, zum Gottesdienst am Heiligen Abend bei hellem Sonnenschein durch den belebten Verkehr der Geschäftsviertel zu fahren, denn an diesem Abend ist erst um 24 Uhr Ladenschluss! Sobald man aber die vom Orgelklang erfüllte deutsch-evangelische Kirche betritt und der Pastor vor dem hell erleuchteten Weihnachtsbaume das Lukas-Evangelium von der Geburt unseres Herrn verkündet, beginnt der Heilige Abend. Die altvertrauten Weisen „Stille Nacht, heilige Nacht“, „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, „Es ist ein Ros’ entsprungen“ und „Ihr Kinderlein kommet“ werden von uns wie von allen Glaubensbrüdern in aller Welt gesungen.

Den Rückweg schlagen wir ein entlang der eleganten, von Palmen umsäumten Strandpromenade auf weißsandigen, von Badefreudigen wimmelnden Stränden, um den Untergang der Sonne im Rio de la Plata bewundern zu können. – Und während wir den Heimweg fortsetzen, bricht unvermittelt das Dunkel herein. Daheim entzünden wir das mit Lametta geschmückte Zypressenbäumchen und tauschen beim Klang deutscher und polnischer Weihnachtslieder Geschenke aus. Das Abendmahl wird teilweise noch nach alter galizischer Tradition serviert: Es gibt Barschtsch [Borschtsch = Rote-Rüben-Suppe] mit Uschka [„öhrchen“-große Teigtaschen mit geschmorten Pilzen], gesülzten Fisch, Pierogi [Piroggen, mit Quarkfüllung bevorzugt] und Gołạbki [Golombki = gefüllte Kohlrouladen]. Anstelle der Kutja aus Graupen [wohl eher geschälte Weizenkörner], Mohn und Honig, die meine Mutter nie missen wollte, sind verschiedene Eissorten mit Nüssen, Mandeln etc. getreten.

Unsere uruguayischen Nachbarn aber beginnen erst zu feiern, wenn wir unser Mahl beendet haben. In allen Wohnzimmerfenstern flimmern grellgrüne, bunt geschmückte Papierbäumchen und die stereotypen Gipsfiguren der Weihnachtskrippe stehen daneben. Im Familienkreise, mit Urahne, Großmutter, Mutter und Kind, wird der Heilige Abend im Garten oder im offenen Patio gefeiert. Ein Geruch von gegrillten Würstchen und Rindfleisch liegt über der ganzen Stadt. Allenthalben angeregtes Geplauder und Kindergeschrei, unterbaut von lautstarker Musik der Stereogeräte. Durch den allgemeinen Lärm dringt kein Glockenton. Und zu vorgerückter Stunde, genau um Mitternacht, als ob es Neujahr wäre, fliegen unter Kinderjubel unzählige Leuchtraketen zum prächtigen Nachthimmel. Unter den fremden Konstellationen leuchtet dort das viel besungene, richtungweisende Südkreuz und im Norden erstrahlt in unvergleichlichem Glanze der Orion, der gleiche, den ich einst als Kind am galizischen Winterhimmel mit meinem Vater bewunderte.

Zuletzt noch ein Weihnachtsgedicht, das ich voriges Jahr zu einem Wettbewerb unserer Gemeinde einsandte:

 Weihnachten unterm Südkreuz

Über schneebedeckten Fluren

Schwebt der Weihnachtsglocken Ton;

Und beim trauten Schein der Kerzen

Rühmen mit bewegtem Herzen

Menschenkinder Gottes Sohn.

Selbst die Städte lauschen stille

Auf der Domesglocken Fülle,

Träumen von der fernen Nacht,

Die den Heiland uns gebracht.

Aber rings ums Heil’ge Land

Glüht der Zwietracht Feuerbrand,

Und der Pilger sehnt sich bang

Nach der Engel Friedenssang.

In der lauen Nacht des Südens

Hört man keinen Glockenton,

Denn Myriaden von Raketen

Grüßen heute Gottes Sohn.

Und bei Sternen und Planeten

Über dieser Neuen Welt

Strahlt ein Kreuz am Himmelszelt.

Unter diesem Kreuz des Südens

Denke voller Andacht ich:

Jesus ist heut Nacht geboren

Und er litt und starb für dich.



Last Updated on Saturday, 27 October 2007 10:44
 
Banner
Popular
TopTop of page